LOGISTICS GUIDE

Incoterms 2020 einfach erklärt — Handelsklauseln als Grafik

Logistik-Ratgeber

In Außenhandelsverträgen und Rechnungen stehen immer Angaben wie FOB Busan oder CIF Los Angeles. Genau das sind die Incoterms. Sie legen fest, wer die Transportkosten trägt und wer haftet, wenn mit der Ware etwas schiefgeht — sozusagen die Spielregeln des Handels. Bei 11 Klauseln mit ähnlichen Buchstabenkürzeln kommt man leicht durcheinander, doch das Wesentliche lässt sich mit einer einzigen Grafik erfassen.

1. Was sind Incoterms?

Incoterms steht für International Commercial Terms und bezeichnet die von der Internationalen Handelskammer (ICC) erstellten Regeln für Handelsklauseln. Die aktuelle Fassung sind die Incoterms 2020 mit 11 Klauseln.

Ohne Incoterms müsste man Fragen wie „Wer zahlt die Fracht?" oder „Wer haftet, wenn die Ware auf dem Schiff beschädigt wird?" jedes Mal neu vertraglich regeln. Die Incoterms beantworten das mit einem einzigen Kürzel aus drei Buchstaben.

2. Was Incoterms regeln — drei Dinge

Eine einzige Incoterms-Klausel legt die folgenden drei Punkte auf einmal fest.

Der häufigste Irrtum dabei ist, dass Kosten und Gefahr nicht immer am selben Punkt übergehen. Darauf gehen wir bei der Grafik unten und bei der Erläuterung zu CIF näher ein.

3. Die vier wichtigsten Klauseln auf einen Blick

Die vier in der Praxis am häufigsten verwendeten Klauseln EXW · FOB · CIF · DDP haben wir auf dem Weg der Ware vom Lager des Exporteurs bis zum Lager des Importeurs eingezeichnet. Der blaue Abschnitt ist der Bereich, in dem der Exporteur die Kosten trägt, das orange Dreieck ist der Punkt, an dem die Gefahr auf den Importeur übergeht.

Lager Exporteur Verschiffungshafen Verladung an Bord Seetransport Bestimmungshafen Lager Importeur EXW Ab Werk Importeur trägt (fast alles) FOB Frei an Bord Exporteur trägt Importeur trägt CIF Fracht/Vers. inkl. Exporteur trägt (Fracht/Vers.) DDP Verzollt geliefert Exporteur trägt (alles bis Zoll) Kosten trägt Exporteur Kosten trägt Importeur Gefahrenübergang

※ Sehen Sie sich CIF an — der blaue Balken (Kosten) reicht bis zum Bestimmungshafen, doch das orange Dreieck (Gefahr) liegt am Punkt der Verladung an Bord. Kosten und Gefahr laufen getrennt — das ist der Kern der Incoterms.

4. Die vier wichtigsten Klauseln — anhand echter Beispiele verstehen

EXW (Ex Works) — Ab Werk

Der Exporteur ist nur dafür verantwortlich, die Ware in seinem Lager bzw. Werk bereitzustellen. Alles danach — Verladung, Vorlauf im Exportland, Ausfuhrzollabwicklung, internationaler Transport, Versicherung und Einfuhrzollabwicklung — ist Sache des Importeurs. Für den Exporteur ist dies die Klausel mit der geringsten Belastung.

EXAMPLE Ein koreanischer Hersteller verkauft an einen US-Käufer zur Klausel EXW Werk Incheon. Der Exporteur muss die Ware lediglich im Werk Incheon bereitstellen — mehr nicht. Der Käufer muss in Korea einen Lkw organisieren und selbst die Ausfuhrzollabwicklung übernehmen. Da dies für den Käufer schwierig ist, wenn er die Verhältnisse in Korea nicht kennt, wird in der Praxis die Klausel FCA empfohlen, bei welcher der Exporteur die Ausfuhrzollabwicklung übernimmt.

FOB (Free On Board) — Frei an Bord

Der Exporteur ist dafür verantwortlich, die Ware im Verschiffungshafen an Bord des Schiffes zu bringen. Vorlauf in Korea, Ausfuhrzollabwicklung und Terminalkosten sind alle enthalten. Ab dem Moment der Verladung an Bord gehen Kosten und Gefahr auf den Importeur über. Diese Klausel ist ausschließlich für See- und Binnenschiffstransport bestimmt.

EXAMPLE Ein koreanischer Verkäufer exportiert an einen US-Käufer zur Klausel FOB Busan. Der Verkäufer ist bis zum Zeitpunkt der Verladung der Ware an Bord im Hafen Busan verantwortlich. Danach trägt der Käufer Seefracht, Transportversicherung sowie Einfuhrzollabwicklung und Nachlauf in den USA. Dies ist eine der am weitesten verbreiteten Klauseln im Außenhandel.

CIF (Cost, Insurance and Freight) — Kosten, Versicherung und Fracht inklusive

Zusätzlich zu FOB trägt der Exporteur die Seefracht und die Transportversicherung bis zum Bestimmungshafen. Diese Klausel gilt ausschließlich für See- und Binnenschiffstransport. Doch es gibt eine besonders wichtige Falle.

Achtung — bei CIF bewegen sich Kosten und Gefahr getrennt.
Bei CIF trägt der Exporteur die Kosten bis zum Bestimmungshafen, die Gefahr geht jedoch wie bei FOB bereits bei der Verladung an Bord im Verschiffungshafen auf den Importeur über. Wird die Ware also während des Seetransports beschädigt, liegt die Haftung beim Importeur, auch wenn der Exporteur die Fracht bezahlt hat. Genau deshalb gehört bei CIF eine Transportversicherung dazu.
EXAMPLE Ändert man das obige Geschäft FOB Busan in die Klausel CIF Los Angeles, so trägt der Verkäufer Seefracht und Transportversicherung bis zum Bestimmungshafen LA. Kommt es jedoch während des Transports zu einem Schaden, ist die Haftung bereits beim Zeitpunkt der Verladung an Bord im Hafen Busan auf den Käufer übergegangen. „Die Kosten bis LA, die Gefahr ab dem Hafen Busan" — diese eine Zeile beschreibt CIF vollständig.

DDP (Delivered Duty Paid) — Verzollt geliefert

Der Exporteur trägt die Einfuhrzollabwicklung im Bestimmungsland samt Zöllen und Einfuhrumsatzsteuer vollständig und schließt die Lieferung bis zum vom Importeur benannten Ort ab. Der Importeur muss die Ware nur entgegennehmen. Dies ist die Klausel mit der größten Belastung für den Exporteur.

EXAMPLE Ein koreanischer Verkäufer exportiert an einen deutschen Käufer zur Klausel DDP Berlin. Der Verkäufer übernimmt die deutsche Einfuhrzollabwicklung, Zölle und Einfuhrumsatzsteuer vollständig und liefert bis vor das Lager des Käufers in Berlin. Für den Käufer ist das bequem, doch der Verkäufer muss vorsichtig sein: Kennt er das deutsche Steuer- und Zollsystem nicht, können unerwartete Kosten und Verzögerungen entstehen.

5. Alle 11 Klauseln der Incoterms 2020

Die 11 Incoterms-Klauseln werden nach ihrem Anfangsbuchstaben in vier Gruppen (E · F · C · D) unterteilt. Je weiter hinten, desto größer die Belastung für den Exporteur.

GruppeKlauselDeutsche BezeichnungKostentragung ExporteurTransportart
EEXWAb WerkÜbergabe im Lager des ExporteursAlle Transportarten
FFCAFrei FrachtführerÜbergabe an den Frachtführer am benannten Ort (inkl. Ausfuhrzoll)Alle Transportarten
FFASFrei Längsseite SchiffBis Längsseite Schiff im VerschiffungshafenNur Seetransport
FFOBFrei an BordBis zur Verladung an BordNur Seetransport
CCPTFrachtfreiFracht bis zum BestimmungsortAlle Transportarten
CCIPFrachtfrei versichertFracht bis zum Bestimmungsort + VersicherungAlle Transportarten
CCFRKosten und FrachtSeefracht bis zum BestimmungshafenNur Seetransport
CCIFKosten, Versicherung und FrachtSeefracht bis zum Bestimmungshafen + VersicherungNur Seetransport
DDAPGeliefert benannter OrtBis zum Bestimmungsort (vor dem Entladen)Alle Transportarten
DDPUGeliefert entladenBis zur abgeschlossenen Entladung am BestimmungsortAlle Transportarten
DDDPVerzollt geliefertAlles bis Einfuhrzollabwicklung und ZollAlle Transportarten

Bei der Gruppe C (CPT · CIP · CFR · CIF) bewegen sich wie bei CIF Kosten und Gefahr getrennt. Der Exporteur trägt die Fracht bis zum Bestimmungsort, die Gefahr geht jedoch bereits am Abgangsort mit der Übergabe an den ersten Frachtführer (oder bei der Verladung an Bord) auf den Importeur über. Zudem wurde in den Incoterms 2020 die frühere Klausel DAT in DPU umbenannt.

6. Häufige Missverständnisse

7. Welche Klausel sollte man wählen?

Eine allgemeingültige Antwort gibt es nicht, wohl aber einen Maßstab. Es ist naheliegend, dass die Seite, die Transport und Zollabwicklung im anderen Land selbst steuern möchte, auch die Kosten und Pflichten für diesen Abschnitt übernimmt.

Wichtig ist: Die Incoterms sind lediglich die Haftungsgrenze für Fracht, Versicherung und Zoll — davon getrennt ist die Frage, wer den eigentlichen Transport wie gut durchführt. Ist die Klausel festgelegt, entscheidet letztlich die Leistungsfähigkeit des Spediteurs, der für diesen Abschnitt verantwortlich ist, über die Qualität des Transports.

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RUNIC ist ein integrierter Logistikpartner, der auf Basis von K-One Gimpo Logis 3PL-Fulfillment, Frachtvermittlung, internationalen Unternehmenskurier und internationale Spedition aus einem Team betreibt. Die internationale Spedition deckt alle Transportarten — See, Luft und Land — sowie FCL und LCL und die gesamte Import-/Exportzollabwicklung ab und bearbeitet bei jeder Incoterms-Klausel den jeweiligen Haftungsabschnitt zuverlässig. Wenn Sie eine Beratung von der Klauselwahl bis zum Frachtangebot benötigen, kontaktieren Sie uns jederzeit.

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